Zucker unter 2 Jahren: Was Fachgesellschaften wirklich empfehlen
Die Frage kommt in jeder Krabbelgruppe: Darf das Kind vom Kuchen probieren? Die Antwort der Fachgesellschaften ist klarer, als viele denken.
Die Empfehlung in einem Satz
Das Netzwerk Gesund ins Leben, das die bundesweiten Handlungsempfehlungen zur Ernährung von Kleinkindern herausgibt, empfiehlt für das erste und zweite Lebensjahr, auf zugesetzten Zucker zu verzichten, und danach Zucker und Süßigkeiten sparsam zu geben. Die Weltgesundheitsorganisation setzt für alle Altersgruppen die Grenze bei unter 10 Prozent der täglichen Energie aus freiem Zucker und nennt unter 5 Prozent als Ziel.
Was das in Gramm bedeutet
| Alter | 10 % der Energie (Obergrenze) | 5 % (Ziel) | Das entspricht |
|---|---|---|---|
| unter 2 Jahre | 0 g zugesetzt | 0 g | kein Zucker, Honig, Sirup, Saft |
| 1–3 Jahre | 30 g | 15 g | 10 bzw. 5 Zuckerwürfel |
| 4–6 Jahre | 35 g | 17,5 g | 12 bzw. 6 Zuckerwürfel |
| 7–10 Jahre | 42 g | 21 g | 14 bzw. 7 Zuckerwürfel |
Gramm-Werte nach den D-A-CH-Referenzwerten für die Energiezufuhr, berechnet von der österreichischen AGES. 1 Würfelzucker = 3 g.
Was zählt als „freier Zucker“?
Die WHO meint damit Zucker, der Lebensmitteln zugesetzt wird, plus den Zucker in Honig, Sirup, Fruchtsäften und Saftkonzentraten. Nicht gemeint ist der Zucker in ganzem Obst und Gemüse und der Milchzucker in ungesüßten Milchprodukten. Ein Apfel in Stücken ist also in Ordnung, ein Glas Apfelsaft zählt voll, und ein Fruchtjoghurt zählt mit allem, was über den natürlichen Milchzucker hinausgeht.
Warum gerade die ersten zwei Jahre?
Drei Gründe nennen die Fachgesellschaften: Die Geschmacksprägung passiert in dieser Zeit, Kinder gewöhnen sich an das Süße-Niveau, das sie kennen. Die ersten Milchzähne sind besonders kariesanfällig. Und Süßes verdrängt die Lebensmittel, die ein Kleinkind in dieser Phase wirklich braucht: Getreide, Gemüse, Milch, Hülsenfrüchte.
Wie wir es zu Hause handhaben
- Süße kommt aus Banane, Apfelmus, Birne und Zimt, und auch das nicht zu jeder Mahlzeit.
- Zu trinken gibt es Wasser. Saft nur stark verdünnt und selten.
- Naturjoghurt mit zerdrücktem Obst statt Fruchtjoghurt (das spart rund 10 g Zucker je Becher, siehe unser Joghurt-Vergleich).
- Geburtstage und Oma-Besuche sind Ausnahmen, und Ausnahmen sind kein Drama.
Quellen: WHO, Guideline Sugars intake for adults and children (2015); Netzwerk Gesund ins Leben, Ernährung und Bewegung im Kleinkindalter, Konsensuspapier (Monatsschrift Kinderheilkunde 2022); AGES, WHO-Zuckerempfehlungen in Gramm je Altersgruppe.